Studie empfiehlt Fleisch mit fragwürdiger Methodik

06.10.2019 |  Von  |  Presseportal
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--------------------------------------------------------------       Hier vollständige Analyse    http://ots.de/lDKPoh --------------------------------------------------------------
 

Hannover (ots) –

Medienberichte über eine zweifelhafte Studie

„Esst ruhig weiter Fleisch“ – Zahlreiche Medien berichten dieser Tage unter vergleichbaren Titeln über eine Studie, die scheinbar zeigt, dass wir aus gesundheitlichen Gründen unseren Fleischkonsum nicht reduzieren müssen. Doch diese Studie weist schwerwiegende methodische Fehler auf, die die gesamten Ergebnisse obsolet machen.

Für das Informations-Portal www.vegan.eu hat Dr. Guido F. Gebauer die Studie im Original analysiert und kommt zu folgendem Ergebnis:

„Die Autoren haben Fleischverzicht gar nicht untersucht, sondern sich ausschließlich auf eine nur sehr moderate Reduktion von Fleisch um drei Mahlzeiten pro Woche konzentriert. Damit haben die Autoren ihre Studie von vornherein so angelegt, dass sie mögliche positive Auswirkungen von Fleischreduktion unterschätzen mussten. Zudem ist der Panel aus 14 Personen, die die Empfehlungen beschlossen haben, gespalten gewesen. In den Medien wird leider nur die Mehrheitsposition berichtet, obwohl eine Minderheit für Fleischreduktion als Empfehlung abgestimmt hat. Ergebnis sind breit publizierte, aber wissenschaftlich wie auch ethisch fragwürdige Empfehlungen. Die Autoren können in Wirklichkeit Fleisch nicht freisprechen, weil sie Fleischverzicht überhaupt nicht untersucht haben“.

Gebauer empfiehlt folgendes Gedankenexperiment zum Verständnis der Kritik an der Studie:

„Nehmen wir an, es wird die Reduktion von Rauchen um 5 Zigaretten pro Tag untersucht und nur ein moderater Effekt auf die Gesundheit gefunden. Könnte dies eine Rechtfertigung sein, das Rauchen freizusprechen? Natürlich nicht. Denn der Vergleichsmaßstab des kompletten Rauchverzichts ist notwendig, um zu einer sinnvollen Schlussfolgerung zu gelangen. Wie beim Rauchen so beim Fleisch, der Ausschluss des kompletten Fleischverzichts aus den Kalkulationen macht die Empfehlungen der Autoren wissenschaftlich unhaltbar“.

Zusammengefasst sind dies die Hauptkritikpunkte an der Studie, die im Artikel auf vegan.eu ausführlich begründet werden:

   - die Wissenschaftler haben die Auswirkungen von Fleischverzicht       (vegetarisch) oder von Verzicht auf alle tierischen Lebensmittel      (vegan) nicht untersucht. Die Wissenschaftler haben sich       vielmehr ausschließlich auf eine Reduktion des Fleischkonsums um      drei Mahlzeiten pro Woche konzentriert. Stärkere Reduktionen       habe sie komplett aus ihren Berechnungen für ihre Empfehlungen       ausgeschlossen. 
   - eine substantielle Minderheit der Panel-Mitglieder von über 20 %      (3 von 14) empfiehlt dennoch Fleischreduktion. Dies wird einfach      in der Zusammenfassung des Artikels verschwiegen und die Gründe       für diese Minderheitenposition werden nicht dargelegt. 
   - die Autoren berufen sich zur Begründung ihrer selektiven       Auswertung auf laienpsychologische Annahmen, denen es an       wissenschaftlichem Fundament fehlt. Sie glauben, dass eine       stärkere Fleischreduktion unrealistisch sei, weshalb sie       Fleischverzicht gar nicht erst untersucht haben. Gerade bei       Gewohnheits- und Suchtverhalten kann der komplette Verzicht       jedoch leichter als die reine Reduktion. Denn die Reduktion       konfrontiert uns immer wieder mit den auslösenden Reizen, die       unseren Appetit auf den Konsum wieder wachrufen. 
   - die Autoren geben allgemeine Gesundheitsempfehlungen, obwohl sie      nur drei Zielkriterien untersuchten haben (Todesfälle durch       Herzkreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen sowie Auftreten       von Diabetes). Es gibt Studien zu vielen weiteren       gesundheitlichen Auswirkungen von Fleischkonsum, die die Autoren      ignorierten. Dies ist aber unzulässig, wenn allgemeine       Empfehlungen für die Gesundheit abgeleitet werden sollen. Selbst      wenn ein Faktor jeweils nur einen kleinen Einfluss auf eine       spezifische Erkrankung hat, dafür aber viele Erkrankungen       positiv beeinflusst, kann sich ein großer Gesamteffekt ergeben.       Indem die Autoren andere mögliche Auswirkungen aus ihren       Empfehlungen ausblenden, handeln sie selektiv und unterschätzen       die Auswirkungen von Fleischreduktion auf die Gesundheit. 
   - die Autoren zeigen letztlich, dass Fleischreduktion um drei       Mahlzeiten statistisch signifikant mit weniger Todesfällen       aufgrund von Herzerkrankungen und Krebserkrankungen und weniger       Diabetes-Erkrankungen einhergeht. Die Autoren diskutieren ihre       Ergebnisse danach aber weg, indem sie auf die nur geringe Stärke      der Zusammenhänge verweisen. Die Zusammenhänge sind aber deshalb      gering, weil nur eine moderate Fleischreduktion untersucht       wurde. Die Zusammenhänge wären viel stärker gewesen, wenn die       Autoren Fleischverzicht einbezogen hätten. 
   - die Autoren zweifeln die Ursächlichkeit der durch sie selbst       gefundenen positiven Effekte von moderater Fleischreduktion an,       weil Studien, die ganze Ernährungs-Muster untersuchten, stärkere      Effekte fänden als Studien, die sich isoliert auf       Fleischreduktion beziehen. Viele Diät-Schemata gehen mit einer       deutlichen Fleischreduktion einher und zusätzlich werden als       gesund geltende Lebensmittel präferiert (z. B. Olivenöl). Warum       sollte es da erstaunlich sein, dass solche komplexen Muster       stärkere Effekte erzielen als isolierte       Fleischreduktionsstudien? 
   - unter den 14 Panel-Mitgliedern gab es keine einzige vegetarisch       oder vegan lebende Person, obwohl unter       Ernährungswissenschaftlern Vegetarismus häufig ist. Letztlich       hat eine Gruppe von 14 fleischessenden Personen entschieden,       dass echter Fleischverzicht unrealistisch sei und man ihn daher       gar nicht erst untersuchen müsse. Trotzdem stellten diese       Personen in den reinen Daten fest, dass selbst eine moderate       Fleischreduktion statistisch mit signifikant positiven       Auswirkungen auf die Gesundheit verbunden ist. Im Anschluss hat       der Panel per Mehrheitsbeschluss beschlossen, dass dieser       positive Effekt irrelevant sei und jeder so weiter Fleisch essen      solle, wie er wolle. Derweil berichten Medien, dass der       Hauptautor der Studie vorher für die Lebensmittelindustrie tätig      gewesen sei, dies aber als Interessenskonflikt nicht benannt       habe. 

Für Gebauer, der alle Studien zu Fleisch und veganer Lebensweise liest, ist dies eine der schlechtesten und tendenziösesten wissenschaftlich publizierten Studien, der er begegnet sei. Bedenklich sei aber auch, wie einfach durch derartige einseitige Studien Stimmungen für Fleischkonsum geschaffen werden könne. Dies sei in Anbetracht der negativen Auswirkungen von Fleisch auf Gesundheit, Klima und Tierwohl bedauerlich. Ein bisschen erinnere ihn diese Studie an Wissenschaftler, die jahrzehntelang mit ähnlich selektiven Betrachtungsweisen das Rauchen für unschädlich erklärt hätten.

Vegan.eu veröffentlicht diese Analyse auch als Presseerklärung in der Hoffnung, dadurch die Aufmerksamkeit von Journalisten auf die tatsächlichen Studien-Inhalte und deren eigenständige Überprüfung lenken zu können.

Dies geschieht, weil die bisherigen Medienberichte leider ein hochgradig falsches Bild der Studie und ihrer Ergebnisse geliefert haben und zu befürchten ist, dass das Klima und die betroffenen Menschen gesundheitlichen Schaden erleiden könnten, wenn sie sich an den publizierten Ergebnissen orientieren würden.

Die ausführliche Analyse mit Zahlenangaben kann hier bei vegan.eu nachgelesen werden: http://ots.de/RBuJs6

Kontakt:

Dr. Guido F. Gebauer
Gleichklang limited
Marienstr. 38
30171 Hannover
Tel.: 0152 28973672
E-Mail: gebauer@gleichklang.de

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