Zertifikatspflicht hat weitreichende Folgen für die Gastronomie

08.09.2021 |  Von  |  Gastronomie, News
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Ab Montag wird das Covid-Zertifikat auch aufs Gastgewerbe ausgeweitet. GastroSuisse bedauert den heutigen Entscheid des Bundesrats.

Diese Massnahme ist nur schwer nachvollziehbar, da sich die Dynamik der Pandemie in den letzten Tagen wieder abgeschwächt hat. Viele Betriebe werden nun zusätzliche massive Umsatzeinbussen haben. GastroSuisse fordert, dass der Bund dafür aufkommt.


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„Dieser Entscheid ist unverhältnismässig und führt zu einer krassen Ungleichbehandlung der Bevölkerung“, sagt Casimir Platzer, Präsident von GastroSuisse, als Reaktion auf den heutigen Entscheid des Bundesrats, das Zertifikat ab Montag auch aufs Gastgewerbe auszuweiten. „Dieser Entscheid ist auch nicht nachvollziehbar noch zu begründen“, so Platzer. Der Bundesrat hat stets gesagt, dass er die Ausweitung erst beschliesst, wenn das Gesundheitswesen zu überlasten droht. „Die Dynamik der Pandemie hat sich in den letzten Tagen aber wieder abgeschwächt“, betont Platzer. Gemäss aktuellen Zahlen sank die gesamte Spitalauslastung um fast 9 Prozent.

„Wir haben angekündigt, dass wir uns solidarisch zeigen, wenn es die Situation erfordert. Der Verband hat bei den Mitgliedern auch eine Impfempfehlung ausgesprochen“, sagt Platzer. „Aber bei dieser Entwicklung haben wir kein Verständnis für diesen Entscheid“, betont er. Dass die Gäste nur noch mit einem Covid-Zertifikat in den Restaurants, Cafés und Bars einkehren dürfen, hat weitreichende Folgen. „Das spaltet nicht nur unsere Gesellschaft“, betont Platzer. Im Gastgewerbe ist jetzt vielerorts wie in den umliegenden Ländern mit zusätzlichen massiven Umsatzrückgängen zu rechnen.

Für einige Betriebe, insbesondere in städtischen Gebieten, wo die Impfquote deutlich höher ist, ist eine Zertifikatspflicht besser tragbar. In ländlichen Gebieten sieht das aber ganz anders aus. Eine aktuelle Umfrage bei den Mitgliedern von GastroSuisse bestätigt dies: Fast ein Viertel der Unternehmen rechnet mit Umsatzrückgängen von 50 Prozent und mehr, während ein Drittel von Umsatzrückgängen von 30 bis 50 Prozent ausgeht.

Viele Betriebe befinden sich bereits in finanziellen Schwierigkeiten. „Die Ausweitung des Covid-Zertifikats verschärft diese Situation zusätzlich“, warnt Platzer. Die Forderung von GastroSuisse ist klar: „Die durch die Umsatzrückgänge ungedeckten laufenden Kosten müssen entschädigt werden“, so Platzer. Befremdend ist der heutige Entscheid des Bundesrats auch deshalb, weil es in der Gastronomie bis dato kaum zu Ansteckungen gab. Ob die beschlossene Ausweitung Wirkung zeigt, ist daher höchst fraglich. Nicht zuletzt ist zu befürchten, dass sich viele Treffen und Anlässe nun in den privaten Raum verschieben, wo es keine Schutzkonzepte gibt.

GastroSuisse hatte dem Bundesrat Alternativen zur Zertifikatspflicht vorgeschlagen. „Leider war dieser aber nicht bereit darauf einzugehen“, sagt Platzer. Im Übrigen hat das Krisenmanagement des Bundes in vielen Belangen versagt: Die Impfungen fingen zu spät an, die Impfkampagne hat versagt, Ferienrückkehrer wurden ohne Tests ins Land gelassen und man hat zu wenig gemacht, um zusätzliche Kapazitäten im Gesundheitswesen zur Verfügung zu stellen. „Für diese Verfehlungen muss jetzt das Gastgewerbe wieder gerade stehen“, bedauert Platzer.

GastroSuisse ist der Verband für Hotellerie und Restauration in der Schweiz. Die Organisation mit dem Gründungsjahr 1891 setzt sich für die Interessen der Branche ein. GastroSuisse ist der grösste gastgewerbliche Arbeitgeberverband mit gegen 20’000 Mitgliederbetrieben (davon rund 2500 Hotels), organisiert in 26 Kantonalverbänden und vier Fachgruppen.

 

Quelle: GastroSuisse
Titelbild: Symbolbild © David Tadevosian – shutterstock.com

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1 Kommentar


  1. Guten Tag

    Danke an euch und Herrn Platzer für die ehrlichen Worte!

    Ich frage mich ernsthaft ob die Zertifikatspflicht auch fürs Personal gilt. Ich finde darüber keinerlei Informationen. Ich weiss, dass die Zertifikatspflicht nur für Gäste, ohne Personal, wenig Sinn ergibt, aber nach 1.5 Jahren sinnbefreiter Massnahmen kann man sich alles vorstellen.
    Wahrscheinlich hat der Bundesrat dies einfach vergessen zu bedenken oder zu erwähnen, was nach so vielen folgeschweren Fehlentscheidungen leider mittlerweilen plausibel erscheint.

    Ich habe meinem Arbeitgeber heute mitgeteilt dass ich mich keine Minute daran aktiv beteiligen werde, einen Teil der Bevölkerung von unserem Restaurant auszuschliessen. Ich frage mich nun, ob ich deswegen künden muss, oder ob mir gekündet wird. Ich will ja gerne weiterarbeiten, ich liebe meinen Beruf, aber ich finde es gehört zur Mentalität eines Gastgebers, alle zu empfangen. Ethisch ist so etwas nicht vertretbar für mich. Riecht nach Rassismus, Faschismus, ich weiss es nicht genau wie man das benennen soll. Aber es fühlt sich katastrophal falsch an.
    Es ist kein Geheimnis, dass es für den Arbeitnehmer finanziell besser ist, wenn man nicht selber kündigt, aus RAV-Gründen. Ich weiss nicht ob dieser Weg möglich ist, da ich ja selber entscheide mich nicht aktiv an Ausgrenzung zu beteiligen. Verzweiflung pur. Ist das nicht auch eine Art Schrecken der Bevölkerung. Ich fühle mich geschreckt von jeder Bundesrats-Entscheidung, welche meine Branche betreffen. Ist so etwas nicht strafbar?

    Liebe Grüsse
    Layla Gschwend

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