Kanton Genf: Weltstadt, Weinland, Architektur und Natur zwischen Rhône und See

Genf ist weit mehr als die internationale Stadt am See. Hinter dem Jet d’Eau beginnt ein ungewöhnlich kompakter Kanton: dicht bebaute Gemeinden, historische Dörfer, ausgedehnte Rebberge, geschützte Flusslandschaften und weltbekannte Forschungsstätten liegen erstaunlich nah beieinander.

Ende 2025 lebten gemäss den provisorischen Zahlen des kantonalen Statistikamts 537’191 Menschen in den 45 Gemeinden. Die Kantonsfläche umfasst 282,4 Quadratkilometer, davon 246 Quadratkilometer ohne den Genfersee. Damit gehört Genf flächenmässig zu den kleinsten, zugleich aber zu den am dichtesten besiedelten Kantonen der Schweiz.

Ein Schweizer Kanton mit aussergewöhnlicher Grenzlage

Der Kanton Genf liegt am südwestlichen Ende des Genfersees. Fast vollständig wird er von Frankreich umschlossen. Die gemeinsame Grenze mit dem Nachbarkanton Waadt misst lediglich 4,6 Kilometer. Zählt man die Grenzen der Genfer Exklave Céligny hinzu, sind es 13,8 Kilometer. Dem stehen mehr als 105 Kilometer Grenze mit Frankreich gegenüber.

Diese Lage prägt den Alltag. Viele Arbeitnehmer pendeln täglich aus dem französischen Umland nach Genf. Strassen, öffentlicher Verkehr, Wohnungsmarkt und Wirtschaft lassen sich deshalb kaum verstehen, wenn nur die Schweizer Seite betrachtet wird.

Der höchste Punkt des Kantons liegt bei Monniaz in der Gemeinde Jussy auf 516 Metern über Meer. Der tiefste Punkt befindet sich an der Rhône bei Chancy auf rund 332 Metern. Hochalpine Landschaften gibt es innerhalb des Kantons somit nicht. Die Berge am Horizont gehören überwiegend zu Frankreich oder den Kantonen Waadt und Wallis.

Auch der oft als Genfer Hausberg bezeichnete Salève liegt vollständig in Frankreich. Seine Aussicht auf Stadt, See und Alpen macht ihn dennoch zu einem beliebten Ausflugsziel für die Bevölkerung der gesamten Region.

Eine geografische Besonderheit bildet Céligny. Die Gemeinde gehört politisch zu Genf, ist jedoch durch waadtländisches Gebiet vom restlichen Kanton getrennt. Wer auf dem Landweg dorthin fährt, verlässt Genf vorübergehend.

Von der eigenständigen Republik zum Schweizer Kanton

Genfs Geschichte reicht bis in die Antike zurück. Seine strategische Lage am Seeausfluss und an wichtigen Handelswegen machte den Ort früh bedeutend. Im Mittelalter übten die Genfer Bischöfe einen grossen politischen Einfluss aus. Gleichzeitig versuchten benachbarte Herrscherhäuser, ihre Macht über die Stadt auszubauen.

Einen entscheidenden Wendepunkt brachte die Reformation. Im Jahr 1536 nahm Genf die reformierte Glaubensordnung an. Johannes Calvin prägte die Stadt anschliessend als religiöses und geistiges Zentrum. Druckereien, Schulen und zugewanderte Glaubensflüchtlinge trugen dazu bei, dass Genf weit über seine Grenzen hinaus wirkte.

In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 versuchten Truppen des Herzogs von Savoyen, die Stadtmauern zu überwinden. Der Angriff scheiterte. Bis heute erinnert die Escalade an dieses Ereignis. Umzüge, historische Kostüme, Lieder und Schokoladentöpfe gehören zur jährlichen Feier.

1798 wurde Genf von Frankreich annektiert und zum Hauptort des Département du Léman. Nach dem Abzug der französischen Truppen stellte die Stadt am 31. Dezember 1813 ihre Republik wieder her.

Am 19. Mai 1815 trat Genf als 22. Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft bei. Schweizer Truppen waren bereits am 1. Juni 1814 am Port-Noir gelandet. Auf dem Landweg konnten sie Genf damals nicht erreichen, weil noch keine direkte territoriale Verbindung zur übrigen Schweiz bestand. Diese entstand erst durch spätere Verträge und die Eingliederung der sogenannten «communes réunies».

Die Altstadt: Genf zwischen Reformation und Republik

Die Genfer Altstadt erhebt sich auf einem Hügel über dem See und der Rhône. Ihr Mittelpunkt ist die Kathedrale St. Pierre. Der Bau vereint romanische, gotische und klassizistische Elemente. Während der Reformation wurde die ehemalige Bischofskirche zu einem zentralen Ort des reformierten Genfs.

Wer die Türme besteigt, erhält einen weiten Blick über Dächer, See und Stadt. Unterhalb der Kathedrale erschliesst eine archäologische Ausgrabungsstätte die baulichen Vorgänger und die frühe Siedlungsgeschichte des Ortes.

Zu den weiteren wichtigen Bauwerken gehören das Rathaus mit seiner befahrbaren Rampe, das Maison Tavel als ältestes erhaltenes Genfer Bürgerhaus und das frühere Arsenal. An der Promenade de la Treille steht eine aussergewöhnlich lange Holzbank. Gleich darunter beginnt der Parc des Bastions.

Im Park erinnert das Reformationsdenkmal an Johannes Calvin, Guillaume Farel, Théodore de Bèze und John Knox. Die monumentale Anlage ist stark von der Geschichtsschreibung ihrer Entstehungszeit geprägt. Ein Besuch im Internationalen Museum der Reformation hilft, die dargestellten Ereignisse aus heutiger Sicht einzuordnen.


Die Kathedrale St. Pierre prägt die Genfer Altstadt. Romanische und gotische Bauteile treffen an der Westfassade auf einen später ergänzten klassizistischen Säulenportikus.

Jet d’Eau, Seeufer und öffentliche Parks

Das bekannteste Wahrzeichen Genfs steht nicht auf festem Boden. Der Jet d’Eau schiesst bis zu 140 Meter hoch aus dem Genfersee. Rund 500 Liter Wasser verlassen die Düse pro Sekunde mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 Kilometern pro Stunde.

Sein Ursprung war rein technisch. Ein 1886 installierter Wasserstrahl diente dazu, den Überdruck eines hydraulischen Netzes abzubauen. Bereits 1891 wurde der Jet d’Eau an seinen heutigen Standort versetzt und als städtisches Wahrzeichen inszeniert. Seine heutige Höhe erreicht er seit 1951.

Der Weg auf die Jetée des Eaux-Vives führt sehr nah an den Wasserstrahl. Bei wechselndem Wind können Besucher kräftig nass werden. Während Wartungsarbeiten, bei starkem Wind oder Frost bleibt die Anlage zeitweise ausser Betrieb.

Rund um die Bucht verlaufen Promenaden durch Parks und entlang von Häfen. Besonders bekannt sind der Jardin Anglais mit der Blumenuhr, der Parc La Grange und der Parc des Eaux-Vives. Am gegenüberliegenden Ufer liegen die Bains des Pâquis. Das öffentliche Seebad wird ganzjährig genutzt und ist ein beliebter Treffpunkt.

Internationales Genf: Diplomatie als Teil des Alltags

Genf zählt zu den bedeutendsten Zentren der internationalen Zusammenarbeit. Rund 185 Staaten sind mit ständigen Vertretungen präsent. Hinzu kommen über 40 internationale Organisationen und mehrere Hundert Nichtregierungsorganisationen.

Das Palais des Nations beherbergt das Büro der Vereinten Nationen in Genf. Jährlich finden dort Tausende Sitzungen, Konferenzen und diplomatische Begegnungen statt. Wegen der laufenden Sanierung des Gebäudekomplexes können sich Führungswege und zugängliche Bereiche verändern. Für den Besuch gelten Sicherheitskontrollen und eine Ausweispflicht.

Vor dem Palais steht auf der Place des Nations die monumentale Skulptur «Broken Chair». Der Stuhl mit dem abgebrochenen Bein erinnert an die Opfer von Landminen und Streumunition.

Eng mit Genf verbunden ist auch die Geschichte des Roten Kreuzes. Henry Dunant gehörte 1863 zu den Gründern des späteren Internationalen Komitees vom Roten Kreuz. Bereits 1864 wurde die erste Genfer Konvention unterzeichnet. Das Internationale Rotkreuz- und Rothalbmondmuseum vermittelt diese Entwicklung mit persönlichen Geschichten, Dokumenten und interaktiven Ausstellungen.

Weitere wichtige Institutionen sind unter anderem die Weltgesundheitsorganisation, die Internationale Arbeitsorganisation, die Welthandelsorganisation und die Weltorganisation für geistiges Eigentum. Damit werden in Genf täglich Fragen verhandelt, die Gesundheit, Arbeit, Handel, Menschenrechte und humanitäre Hilfe weltweit betreffen.


Das Palais des Nations ist eines der wichtigsten Zentren der internationalen Diplomatie. Die zahlreichen Flaggen machen sichtbar, wie viele Staaten dauerhaft in Genf vertreten sind.

Carouge: sardische Stadtplanung und mediterrane Atmosphäre

Nur wenige Tramminuten vom Genfer Zentrum entfernt verändert sich das Stadtbild. Carouge entstand im späten 18. Jahrhundert unter der sardischen Monarchie. Die neue Stadt sollte dem benachbarten Genf wirtschaftlich Konkurrenz machen.

Niedrige Häuser, regelmässige Strassen, begrünte Innenhöfe und kleine Plätze geben dem historischen Zentrum einen eigenen Charakter. Die Architektur wirkt stellenweise südlicher als in der Genfer Altstadt. Werkstätten, Ateliers, unabhängige Geschäfte, Märkte, Cafés und Restaurants prägen den Alltag.

Zu den markanten Orten gehören die Place du Marché, die katholische Kirche Sainte-Croix und der Temple de Carouge. Ein Spaziergang lohnt sich besonders an Markttagen. Dann zeigt sich Carouge als lebendige Kleinstadt und nicht bloss als hübsche Kulisse.


Niedrige Häuser, Fensterläden, kleine Geschäfte und Strassencafés erinnern in Carouge an die sardischen Ursprünge der planmässig angelegten Stadt.

Moderne Architektur und geschützte Ortsbilder

Genfer Baukultur endet nicht bei der Altstadt. Ein eindrückliches Beispiel der Nachkriegsmoderne ist die Cité du Lignon in Vernier. Das grosse Wohnensemble prägt eine ganze Schleife der Rhône und gehört heute zu den Ortsbildern von nationaler Bedeutung.

Seine gewaltigen Dimensionen lösen unterschiedliche Reaktionen aus. Gleichzeitig zeigt das Lignon, wie Architekten und Planer in den 1960er- und 1970er-Jahren auf Bevölkerungswachstum, Wohnraumbedarf und neue städtebauliche Vorstellungen reagierten.

Einen völlig anderen Ausdruck besitzt das Science Gateway des CERN. Der vom Büro Renzo Piano Building Workshop entworfene Komplex wurde 2023 eröffnet. Brückenartige Röhren und Solardächer greifen Formen aus Forschung und Technik auf.

Auch ausserhalb des dichten Siedlungsgebiets liegen wertvolle Ortsbilder. Hermance besitzt einen historischen Dorfkern nahe dem See. Dardagny fällt durch sein Schloss, alte Bauernhäuser und die umgebenden Rebberge auf. Weitere geschützte Dörfer und Weiler finden sich unter anderem in Avully, Cartigny, Jussy und Russin.

CERN: Forschung an der Grenze

Das europäische Kernforschungszentrum CERN befindet sich westlich der Stadt und erstreckt sich über schweizerisches und französisches Gebiet. Hier untersuchen Forscher die grundlegenden Bausteine und Kräfte der Materie.

Der Large Hadron Collider verläuft tief unter der Erde in einem rund 27 Kilometer langen Ring. Die eigentlichen Versuchsanlagen können im regulären Betrieb nur eingeschränkt besucht werden. Das Science Gateway macht zentrale Fragen der Teilchenphysik jedoch mit Ausstellungen, Experimenten und Veranstaltungen zugänglich.

Der Eintritt in die Dauerausstellungen ist grundsätzlich kostenlos. Führungen und Laborangebote sind begehrt und unterliegen besonderen Buchungsregeln. Vor der Anreise sollten Besucher die aktuellen Hinweise des CERN prüfen.

Museen zwischen Kunst, Uhren und humanitärer Geschichte

Genf besitzt eine aussergewöhnlich vielfältige Museumslandschaft. Das Musée d’art et d’histoire verbindet Archäologie, bildende Kunst und angewandte Kunst. Das Musée Ariana widmet sich Keramik und Glas. Im Musée d’ethnographie werden Kulturen und Sammlungen kritisch und zeitgemäss vermittelt.

Das Patek Philippe Museum dokumentiert rund 500 Jahre Uhrmacherkunst. Neben historischen Taschenuhren und Automaten sind Stücke aus der Genfer Produktion zu sehen. Das Museum ist interessant, selbst wenn Besucher keine Uhrenkenner sind: Es zeigt, wie eng Handwerk, Kunst, Technik und internationaler Handel miteinander verbunden waren.

Für Familien eignen sich das Naturhistorische Museum und das CERN Science Gateway. Das Musée international de la Réforme, das Rotkreuzmuseum und das Maison Tavel erschliessen dagegen zentrale Kapitel der Genfer Geschichte.

Öffnungszeiten, Schliessungstage und Reservierungspflichten unterscheiden sich. Besonders an Montagen ist eine vorherige Kontrolle sinnvoll.

Der drittgrösste Weinbaukanton der Schweiz

Wer Genf nur mit Banken und Diplomatie verbindet, wird im westlichen Kantonsgebiet überrascht. Auf rund 1’400 Hektaren wird Wein angebaut. Gemessen an der Rebfläche gehört Genf zu den drei grössten Weinbaukantonen der Schweiz.

Die Rebberge verteilen sich auf drei Hauptregionen: das Mandement am rechten Rhôneufer, das Gebiet zwischen Arve und Rhône sowie die Landschaft zwischen Arve und See. Besonders bekannt sind Satigny, Dardagny, Russin, Peissy, Jussy und Soral.

Satigny gilt als grösste Weinbaugemeinde der Schweiz. Chasselas und Gamay bleiben wichtig, doch die Auswahl ist erheblich breiter. Pinot Noir, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Gamaret, Garanoir und zahlreiche Spezialitäten sorgen für Abwechslung.

Viele Betriebe verkaufen ihre Weine direkt. Einige bieten Führungen, Degustationen oder Veranstaltungen an. Öffnungszeiten sollten vorher geprüft werden, da zahlreiche Keller nicht täglich zugänglich sind. Einen aktuellen Überblick vermittelt der Beitrag über die Genfer Weinregion und ihre offenen Kellereien.


Rund um Satigny prägen Rebberge, Dörfer und Landwirtschaft das Landschaftsbild. Diese ländliche Seite des Kantons liegt nur wenige Kilometer vom Genfer Zentrum entfernt.

Natur zwischen See, Arve und Rhône

Der Genfersee verlässt bei der Stadt Genf sein Becken und fliesst als Rhône weiter. Wenig später mündet die Arve in den Fluss. An der Jonction sind die unterschiedlichen Wasserfarben häufig deutlich zu erkennen: Die Rhône erscheint meist klarer, während die Arve viel Gesteinsmaterial aus dem Mont-Blanc-Gebiet mitführt.

Der Zusammenfluss lässt sich von Wegen und höher gelegenen Aussichtspunkten beobachten. Das Schwimmen in Flüssen ist jedoch mit erheblichen Risiken verbunden. Strömungen, wechselnde Wassertemperaturen, Hindernisse und Schiffsverkehr dürfen nicht unterschätzt werden.

Weiter westlich wird die Rhône von bewaldeten Ufern, Feuchtgebieten und Naturschutzflächen begleitet. Das Moulin-de-Vert bei Cartigny liegt in einer ehemaligen Flussschleife und bietet Lebensräume für Wasservögel, Amphibien und zahlreiche Pflanzenarten.

Am Genfersee schützt die Pointe-à-la-Bise eines der letzten grösseren Schilfgebiete des Kantons. Holzstege und Beobachtungsmöglichkeiten erlauben Einblicke, ohne empfindliche Uferbereiche zu betreten. Hunde müssen entsprechend den örtlichen Vorschriften geführt werden.


An der Jonction treffen die sedimentreiche Arve und die klarere Rhône aufeinander. Von erhöhten Standorten lässt sich die unterschiedliche Färbung der beiden Flüsse gut erkennen.

Eine Wirtschaft mit mehreren starken Säulen

Finanzdienstleistungen gehören weiterhin zu den bekanntesten Wirtschaftszweigen Genfs. Daneben spielen der internationale Rohstoffhandel, die Uhren- und Schmuckindustrie, Chemie, Präzisionstechnik, Informationsdienstleistungen und Life Sciences wichtige Rollen.

Eine kantonale Analyse zeigt, dass Grosshandel einschliesslich Rohstoffhandel, Finanzwirtschaft, Industrie, digitale Wirtschaft und Life Sciences im Jahr 2022 zusammen rund 47 Prozent der Genfer Wirtschaftsleistung ausmachten.

Internationale Organisationen schaffen zusätzlich Arbeitsplätze und ziehen Kanzleien, Beratungsunternehmen, Übersetzungsdienste, Sicherheitsbetriebe, Veranstalter und Hotellerie an. Der Flughafen und die grenzüberschreitende Lage verstärken diese internationale Ausrichtung.

Ein bedeutender Arbeitgeber und Forschungsstandort sind die Hôpitaux universitaires de Genève. Welche medizinischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aufgaben sie erfüllen, zeigt das aktuelle Porträt des Universitätsspitals Genf.

Flughafen und grenzüberschreitender Verkehr

Der Flughafen Genf liegt unmittelbar am Stadtrand. Im Jahr 2025 wurden dort knapp 17,85 Millionen Passagiere gezählt. Das Streckennetz umfasste 149 Ziele. Die Nähe zum Zentrum ist aussergewöhnlich: Der Zug benötigt zwischen Flughafen und Bahnhof Cornavin nur wenige Minuten.

Der Flughafen besitzt einen französischen Sektor. Er erleichtert bestimmte Reisen zwischen Frankreich und dem Airport, ersetzt jedoch nicht die jeweils geltenden Zoll-, Einreise- und Sicherheitsbestimmungen.

Eine zentrale Rolle im Regionalverkehr spielt der Léman Express. Das grenzüberschreitende S-Bahn-Netz verbindet Genf und Waadt mit französischen Orten wie Annemasse, Annecy, Saint-Gervais und Évian. Es umfasst rund 230 Kilometer und 45 Bahnhöfe.

Innerhalb des Kantons fahren Trams und Busse der Transports publics genevois. Die gelben Mouettes genevoises überqueren die Genfer Bucht auf dem Wasser und sind in das lokale Tarifsystem eingebunden.

Übernachtungsgäste in registrierten Hotels, Jugendherbergen und Campingplätzen erhalten in der Regel die Geneva Transport Card. Sie ermöglicht während des Aufenthalts die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs im vorgesehenen Gültigkeitsbereich. Die Karte sollte vor der ersten Fahrt aktiviert werden.

Hotels: vom Grandhotel bis zur Unterkunft im Weinland

Die klassische Genfer Hotellerie konzentriert sich am Seeufer, rund um den Bahnhof Cornavin und in der Innenstadt. Am Quai du Mont-Blanc und am Quai Wilson stehen mehrere traditionsreiche Luxushotels. Sie bieten kurze Wege zum See und zu den internationalen Organisationen, liegen preislich jedoch meist im oberen Bereich.

Kleinere Hotels in der Altstadt besitzen häufig viel Atmosphäre. Treppen, historische Grundrisse und eingeschränkte Zufahrten können den Aufenthalt allerdings erschweren. Wer mit viel Gepäck oder eingeschränkter Mobilität reist, sollte Lift und Zugänglichkeit vorab prüfen.

Die Umgebung von Cornavin ist praktisch für Bahnreisende. In den Pâquis liegen Hotels, Restaurants und Geschäfte dicht beieinander. Das Quartier ist lebendig und stellenweise bis spät in die Nacht belebt.

Carouge eignet sich für Gäste, die abends gern zwischen Restaurants und kleinen Geschäften unterwegs sind. Unterkünfte am Flughafen sind zweckmässig für frühe Abflüge. Wer Ruhe sucht, findet in den Landgemeinden einzelne Gasthäuser und kleinere Betriebe zwischen Dörfern und Rebbergen.

Die Preise schwanken stark. Messen, internationale Konferenzen und grosse Veranstaltungen können die Nachfrage kurzfristig erhöhen. Eine frühzeitige Buchung lohnt sich.

Genf auf dem Teller

Die bekannteste Genfer Wurstspezialität ist die Longeole IGP. Sie besteht aus Schweinefleisch und wird traditionell mit Fenchelsamen gewürzt. Wegen ihrer Grösse benötigt sie eine lange Garzeit.

Eine weitere geschützte Spezialität ist der Cardon épineux genevois AOP. Die stachelige Kardone wurde von hugenottischen Gemüsebauern in der Region kultiviert. Besonders in der Weihnachtszeit wird sie häufig gratiniert serviert.

Aus dem See stammen je nach Saison und Fang Felchen, Egli und weitere Fische. Bei Speisekarten lohnt sich ein genauer Blick auf die Herkunft, denn nicht jeder angebotene Fisch wurde tatsächlich im Genfersee gefangen.

Hinzu kommen Käse, Gemüse, Obst, Honig und Wein aus den Landgemeinden. Genfs internationale Bevölkerung prägt zugleich eine sehr breite Restaurantlandschaft. Französische, italienische, nahöstliche, afrikanische, asiatische und lateinamerikanische Küchen liegen oft nur wenige Strassen voneinander entfernt.

Genf mit Kindern

Für Familien lassen sich kurze Wege und unterschiedliche Erlebnisse gut kombinieren. Eine Fahrt mit den Mouettes, der Weg zum Jet d’Eau und ein Besuch im Naturhistorischen Museum füllen bereits einen abwechslungsreichen Tag.

Das CERN Science Gateway eignet sich für grössere Kinder und Jugendliche, verlangt aber teilweise eine Reservierung. Im Rotkreuzmuseum können einzelne Inhalte emotional belastend sein. Erwachsene sollten deshalb vorab prüfen, welche Ausstellungsbereiche zum Alter der Kinder passen.

Parks wie La Grange, Eaux-Vives und Bastions bieten Platz für Pausen. An heissen Tagen kommen die öffentlichen Badeanlagen hinzu. Am See und an den Flüssen benötigen Kinder eine durchgehende Aufsicht. Strömung, kaltes Wasser und Bootsverkehr können auch bei gutem Wetter gefährlich werden.

So lässt sich der Kanton sinnvoll bereisen

Für einen Tag bietet sich ein Rundgang vom Bahnhof Cornavin über den See und den Jet d’Eau zur Altstadt an. Kathedrale, Maison Tavel, Parc des Bastions und Reformationsdenkmal liegen gut zu Fuss erreichbar beieinander.

Am zweiten Tag können Palais des Nations, Rotkreuzmuseum und Botanischer Garten miteinander verbunden werden. Eine ruhigere Alternative führt nach Carouge und anschliessend an die Jonction.

Wer drei oder vier Tage bleibt, sollte die Stadtgrenze bewusst überschreiten. Eine Tour nach Satigny, Dardagny oder Russin zeigt das Weinland. Naturfreunde können Pointe-à-la-Bise oder Moulin-de-Vert besuchen. Das CERN benötigt je nach Programm einen eigenen halben Tag.

Für viele Wege ist kein Auto erforderlich. Bahn, Tram, Bus und Schiff erschliessen einen grossen Teil der Sehenswürdigkeiten. Bei abgelegenen Naturschutzgebieten und Weingütern muss die letzte Verbindung allerdings sorgfältig geprüft werden.

Video-Tipp: Genf aus der Luft

Das offizielle 360-Grad-Video von Schweiz Tourismus zeigt die Stadt, den Genfersee, den Jet d’Eau und die nähere Umgebung aus der Vogelperspektive.



Fazit

Genf ist ein Kanton der kurzen Wege und grossen Gegensätze. In der Stadt treffen Reformationsgeschichte, internationale Diplomatie, Uhrenhandwerk und moderne Forschung aufeinander. Wenige Kilometer weiter bestimmen Rebberge, Dörfer, Flüsse und geschützte Feuchtgebiete das Bild.

Wer nur zwischen Bahnhof, See und Altstadt unterwegs ist, erlebt einen eindrucksvollen Ausschnitt. Der ganze Kanton zeigt sich erst in Carouge, im Mandement, an der Rhône und in Gemeinden wie Hermance, Jussy oder Dardagny. Gerade diese Verbindung aus Weltstadt und ländlichem Grenzraum macht Genf innerhalb der Schweiz einzigartig.

 

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