Kanton Glarus entdecken: Baukultur, Bergwelten, Genuss und Familienerlebnisse
von belmedia Redaktion Allgemein architektenwelt.com Berge elterntipps.ch Familie familie.ch Familienleben Familienreisen Freizeit Frühling Glarus gourmetnews.ch gourmettipp.ch Herbst hotelaktuell.ch Hotellerie Hotels Jahreszeiten Magazine Museum nachrichtenticker.ch Orte Regionen Reisen Reisen & Ausflüge reiseziele.ch Schauplätze Schweiz Schweiz Sommer Städte Städtereisen Themen tourismus.ch Trips Winter Ⳇ Verbreitung
Der Kanton Glarus verbindet auf engem Raum markante Baukultur, aussergewöhnliche Geologie, lebendige politische Traditionen und eine ausgeprägte Bergwelt. In der Hauptstadt erzählt ein rechtwinklig angelegtes Strassennetz vom Wiederaufbau nach dem verheerenden Stadtbrand von 1861. Wenige Kilometer weiter führen Wege zum Klöntalersee, in die UNESCO-Welterberegion Tektonikarena Sardona oder hinauf in autofreie Ferienorte wie Braunwald. Dazu kommen traditionsreiche Spezialitäten wie Schabziger und Zigerhöräli, historische Gasthäuser und zahlreiche Angebote für Familien.
Glarus ist damit weit mehr als ein Ziel für anspruchsvolle Bergtouren. Architekturinteressierte finden Spuren von Industriegeschichte und Schweizer Bergmoderne, Familien entdecken Erlebniswege und Seilparks, während Elm mit Martinsloch und Tschingelhörnern einen der eindrücklichsten Einblicke in die Entstehung der Alpen ermöglicht. Zwischen Talboden, Bergseen, alten Dorfkernen und modernen Freizeitangeboten lässt sich der Kanton auch bei einem mehrtägigen Aufenthalt ausgesprochen abwechslungsreich erkunden.
Ein Kanton mit drei Gemeinden und sehr unterschiedlichen Landschaften
Wer den Kanton Glarus auf der Karte betrachtet, erkennt ein langgezogenes Tal, das von hohen Bergen eingefasst wird. Der landschaftliche Eindruck verändert sich jedoch deutlich zwischen dem nördlichen Kantonsgebiet und den südlichen Tälern.
Seit der grossen Gemeindereform von 2011 besteht der Kanton aus nur noch drei politischen Gemeinden: Glarus Nord, Glarus und Glarus Süd. Zuvor gab es 25 Ortsgemeinden.
Glarus Nord umfasst unter anderem Näfels, Niederurnen, Mollis und Filzbach. Hier öffnet sich das Tal stärker Richtung Walensee und Linthebene.
Die Gemeinde Glarus bildet mit der gleichnamigen Hauptstadt das politische Zentrum. Dazu gehören unter anderem Netstal, Ennenda und das Klöntal.
Glarus Süd reicht tief in die Alpen hinein. Zu ihr gehören Orte wie Schwanden, Elm, Linthal und Braunwald.
Diese Verwaltungsstruktur sagt wenig darüber aus, wie unterschiedlich die einzelnen Orte wirken. Zwischen dem urbaneren Glarus, den historischen Industriegemeinden im Tal, dem autofreien Braunwald und dem bäuerlich geprägten Elm liegen jeweils eigene Landschaften und Geschichten.
Glarus: eine Stadt, die nach einer Katastrophe neu geplant wurde
Die Hauptstadt Glarus besitzt eine ungewöhnliche städtebauliche Geschichte.
In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1861 zerstörte ein verheerender Brand einen grossen Teil des Ortes. 593 Gebäude gingen verloren.
Statt die Stadt weitgehend nach dem alten Muster wiederaufzubauen, entstand ein grundlegend neuer Plan. Die Architekten Johann Caspar Wolff und Bernhard Simon entwickelten ein regelmässiges Strassennetz.
Bis heute fällt deshalb auf, dass sich Teile von Glarus deutlich von den verwinkelten historischen Altstädten anderer Schweizer Kantonsorte unterscheiden.
Breitere Strassen, klar definierte Häuserzeilen und rechtwinklige Kreuzungen prägen das Zentrum. Hinter dieser Ordnung standen auch praktische Überlegungen: Die neue Stadt sollte besser erschlossen und gegenüber künftigen Bränden widerstandsfähiger werden.
Der Wiederaufbau brachte innerhalb weniger Jahre bedeutende öffentliche Gebäude hervor.
Die Stadtkirche entstand zwischen 1863 und 1866. Regierungsgebäude und Gerichtsgebäude wurden bereits in den frühen 1860er-Jahren errichtet. Weitere repräsentative Bauten folgten.
Dadurch wirkt das Zentrum heute wie ein zusammenhängendes Dokument des Wiederaufbaus im 19. Jahrhundert.
Industrialisierung veränderte das Glarnerland früh
Die Architektur des Kantons lässt sich jedoch nicht allein über Kirchen, Verwaltungsgebäude und Bauernhäuser verstehen.
Glarus entwickelte sich früh zu einem bedeutenden Industriegebiet.
Besonders die Textilindustrie prägte den Kanton. Stoffdruckereien, Spinnereien und Webereien entstanden entlang von Flüssen und Kanälen, deren Wasserkraft für die Produktion genutzt wurde.
Bedruckte Textilien aus dem Glarnerland wurden international gehandelt. Damit entstanden auch Fabrikgebäude, Arbeiterhäuser, Fabrikantenvillen und technische Anlagen.
In Ennenda, Glarus, Schwanden, Netstal und weiteren Orten sind Spuren dieser Entwicklung bis heute sichtbar.
Die Industrialisierung beeinflusste zudem Politik und Gesellschaft. Arbeitsbedingungen und soziale Fragen wurden früh öffentlich diskutiert.
Wer Architektur im Glarnerland betrachtet, findet deshalb einen spannenden Gegensatz: traditionelle Holzhäuser und bäuerliche Bauten stehen neben steinernen Fabrikanlagen und repräsentativen Gebäuden des 19. Jahrhunderts.
Landsgemeinde: Politik unter freiem Himmel
Eine der bekanntesten Traditionen des Kantons ist weder Museum noch inszenierte Sehenswürdigkeit.
Die Glarner Landsgemeinde ist bis heute ein funktionierendes politisches Organ.
Sie findet jeweils am ersten Sonntag im Mai auf dem Zaunplatz in Glarus statt. Stimmberechtigte versammeln sich unter freiem Himmel und entscheiden über kantonale Sachgeschäfte.
Abgestimmt wird traditionell durch das Hochhalten des Stimmrechtsausweises.
Die Landsgemeinde entscheidet unter anderem über Gesetze, Verfassungsfragen, den kantonalen Steuerfuss und weitere bedeutende Geschäfte. Auch Anträge können während der Versammlung gestellt werden.
Ihre historischen Wurzeln reichen weit zurück. Aus dem Jahr 1387 sind frühe Glarner Landesstatuten überliefert.
Für Gäste lässt sich die Landsgemeinde nicht wie eine gewöhnliche touristische Veranstaltung betrachten. Sie ist Teil des politischen Alltags des Kantons.
Gerade deshalb gehört sie zu den eindrücklichsten Beispielen dafür, wie historische Tradition im Glarnerland bis in die Gegenwart weiterlebt.
Näfels und der Freulerpalast
Nördlich der Hauptstadt liegt Näfels.
Der Ort ist eng mit der Geschichte des Kantons verbunden. 1388 kam es zur Schlacht bei Näfels, bei der Glarner und verbündete Kräfte ein habsburgisches Heer besiegten.
Die Erinnerung daran wird bis heute gepflegt.
Einen völlig anderen Einblick in die Vergangenheit bietet der Freulerpalast.
Der repräsentative Wohnsitz aus dem 17. Jahrhundert zählt zu den bedeutenden historischen Profanbauten des Kantons. Seit 1946 beherbergt er das Museum des Landes Glarus.
Die Räume vermitteln bereits durch Architektur und Ausstattung einen Eindruck davon, wie wohlhabende Familien in der frühen Neuzeit lebten.
Die Ausstellung geht weit darüber hinaus. Sie behandelt unter anderem politische Geschichte, Textildruck, militärische Ereignisse und Alltagskultur.
Damit eignet sich der Freulerpalast besonders gut für einen Schlechtwettertag oder als Ergänzung zu einer architektonischen Rundreise.
Elm: ein Dorf unter einem geologischen Fenster
Elm liegt im hinteren Sernftal und gehört zu den bekanntesten Orten im Glarnerland.
Das Dorf besitzt einen historischen Ortskern mit traditionellen Wohn- und Landwirtschaftsbauten. Darüber ragen Tschingelhörner und Martinsloch auf.
Das Martinsloch ist eine natürliche Öffnung im Fels mit einem Durchmesser von mehr als 15 Metern.
An wenigen Tagen im Jahr entsteht ein besonderes Lichtphänomen: Die Sonne scheint durch das Loch und erreicht den Bereich der Kirche von Elm.
Dieses Schauspiel lässt sich um Mitte März sowie Anfang Oktober beobachten. Der genaue Zeitpunkt variiert leicht von Jahr zu Jahr.
Das Martinsloch ist jedoch weit mehr als eine optische Besonderheit.
Direkt an den Tschingelhörnern lässt sich die sogenannte Glarner Hauptüberschiebung erkennen. Sie gehört zu den Schlüsselstellen der UNESCO-Welterbestätte Tektonikarena Sardona.
Tektonikarena Sardona: wie die Alpen lesbar werden
Für Geologen besitzt die Region internationale Bedeutung.
In der Tektonikarena Sardona lässt sich besonders deutlich erkennen, wie ältere Gesteinsschichten über jüngeren liegen.
Bei der Glarner Hauptüberschiebung befindet sich rund 250 bis 300 Millionen Jahre altes Verrucano-Gestein oberhalb von deutlich jüngeren Gesteinen.
Diese heute sichtbare Anordnung entstand durch gewaltige Bewegungen während der Bildung der Alpen.
Gesteinspakete wurden über Dutzende Kilometer verschoben.
Gerade rund um die Tschingelhörner ist die Trennlinie zwischen den unterschiedlichen Gesteinen auffällig sichtbar.
Das Gebiet gehört seit 2008 zum UNESCO-Weltnaturerbe.
Wanderwege und geologische Routen erschliessen Teile dieser Landschaft. Für anspruchsvollere Touren ist alpine Erfahrung erforderlich, doch einzelne geologische Erscheinungen können auch von gut zugänglichen Punkten aus betrachtet werden.
Riesenwald Elm: Geologie wird zum Familienerlebnis
Für Familien wird die Geschichte des Martinslochs in Elm spielerisch vermittelt.
Der Riesenwald bei den Sportbahnen Elm besteht aus 17 individuell gestalteten Erlebnisstationen.
Kinder können dort klettern, balancieren, ausprobieren und Geschichten entdecken. Inhaltlich nimmt der Weg Bezug auf die Sage rund um das Martinsloch und die umliegende Bergwelt.
Bewegung, Naturbeobachtung und Wissen werden miteinander verbunden.
Grillstellen ergänzen das Angebot.
Die Sommersaison der Sportbahnen Elm reicht 2026 planmässig vom 23. Mai bis zum 1. November. Da Bergbahnen und Erlebnisangebote wetterabhängig sein können, sollten aktuelle Betriebsinformationen vor der Anreise kontrolliert werden.
Neben dem Riesenwald gehören im Sommer unter anderem Mountaincarts und Trottinetts zu den Freizeitangeboten.
Braunwald: autofreie Ferien über dem Tal
Auf der gegenüberliegenden Seite des Kantons liegt Braunwald.
Der Ferienort befindet sich auf einer Sonnenterrasse auf rund 1’300 Metern Höhe und ist autofrei.
Die reguläre Anreise erfolgt mit der Braunwaldbahn ab Linthal.
Oben bestimmen Wanderwege, Bergbahnen, traditionelle Häuser und Hotels das Ortsbild.
Die fehlenden privaten Autos verändern die Atmosphäre deutlich. Wege werden stärker von Fussgängern, Fahrrädern und einzelnen zugelassenen Transportfahrzeugen geprägt.
Für Familien besitzt Braunwald ein besonders dichtes Angebot.
Der Zwerg-Bartli-Erlebnisweg führt zu acht Erlebnisorten, an denen Geschichten rund um die bekannte Kinderfigur aufgegriffen werden.
Am Grotzenbüel befindet sich zudem ein Seilpark. Hinzu kommen ein Kinderklettersteig für entsprechend ausgerüstete und begleitete Kinder, Spielplätze sowie Feuerstellen.
Kutschenfahrten ergänzen das Angebot.
Märchenhotel: Ferien speziell für Familien
Ein bekanntes Haus in Braunwald ist das Märchenhotel.
Das Konzept ist stark auf Familien mit Kindern ausgerichtet.
Märchen, Spielbereiche, Kinderbetreuung und Aktivitäten sind Teil des Angebots.
Damit unterscheidet sich das Haus deutlich von klassischen Berghotels.
Braunwald eignet sich deshalb besonders für Aufenthalte, bei denen Erwachsene Bergferien mit einem umfangreichen Kinderprogramm verbinden möchten.
Ortstockhaus: Schweizer Moderne hoch über Braunwald
Architekturinteressierte sollten in Braunwald einen weiteren Bau kennen.
Das Ortstockhaus auf der Braunwaldalp wurde 1931 nach Plänen des Glarner Architekten Hans Leuzinger realisiert.
Der Bau gilt als wichtiges Beispiel der Schweizer Bergmoderne.
Statt historisierender Chaletarchitektur setzte Leuzinger auf eine moderne, funktionale Formensprache.
Das Gebäude steht auf 1’772 Metern Höhe und blieb in wesentlichen Teilen erstaunlich gut erhalten.
2016 wurde es sorgfältig restauriert.
Für sein baukulturelles Erbe erhielt das Berggasthaus die Auszeichnung „Historisches Hotel des Jahres 2023“.
Mehr zur Geschichte des Hauses bietet der belmedia-Beitrag „Pionierbau der Schweizer Bergmoderne gewinnt“.
Damit besitzt Braunwald neben Natur und Familienangeboten auch ein Ziel für Reisende, die sich für Architektur des 20. Jahrhunderts interessieren.
Klöntalersee: Bergsee wenige Kilometer von Glarus entfernt
Westlich der Hauptstadt liegt das Klöntal.
Der Klöntalersee wird von steilen Bergflanken eingefasst und gehört zu den bekanntesten Naturzielen des Kantons.
Das Tal lässt sich von Glarus aus vergleichsweise schnell erreichen.
Im Sommer sind Wandern, Baden und Camping beliebte Aktivitäten.
Ein Rundweg beziehungsweise verschiedene Wanderabschnitte erschliessen das Seeufer. Seit 2023 ergänzt ein neu angelegter Bergrundwanderweg die Möglichkeiten.
An einzelnen Stellen führen Wasserfälle von den steilen Hängen Richtung Talboden.
Besonders eindrucksvoll ist der Sulzbachfall.
Die unmittelbare Nähe von See, Wald, Fels und Wasser macht das Klöntal auch für Familien attraktiv, sofern die gewählte Route an Kondition und Alter angepasst wird.
Bei nassem Wetter können Wege rutschig werden. In den Bergen müssen Wetterentwicklung und lokale Hinweise immer berücksichtigt werden.
Mettmen und der Garichtisee
Noch ruhiger wirkt die Mettmenalp oberhalb des Sernftals.
Eine Luftseilbahn führt von Kies ins Gebiet Mettmen.
Dort liegt der Garichtisee, ein Stausee inmitten einer hochalpinen Landschaft.
Die Region ist Ausgangspunkt für unterschiedliche Wanderungen. Einige Routen eignen sich für Familien mit Bergerfahrung, andere führen weiter in anspruchsvolleres Gelände.
Direkt angrenzend befindet sich der Freiberg Kärpf.
Das Gebiet ist als Wildschutzregion bekannt und bietet Lebensraum für zahlreiche alpine Tierarten.
Gerade in solchen Gebieten ist rücksichtsvolles Verhalten wichtig: markierte Wege beachten, Hunde gemäss lokalen Vorgaben führen und Wildtiere nicht verfolgen oder zum Fotografieren bedrängen.
Schabziger: die wohl bekannteste Glarner Spezialität
Die kulinarische Identität des Kantons ist eng mit einem intensiv schmeckenden grünen Käseprodukt verbunden.
Glarner Schabziger wird aus Glarner Milch hergestellt und mit Zigerklee verfeinert.
Seine grüne Farbe und das kräftige Aroma machen ihn unverwechselbar.
Schabziger wird gerieben oder verarbeitet und findet sich in zahlreichen traditionellen Gerichten.
Besonders bekannt sind Zigerhöräli.
Dabei werden Teigwaren mit Schabziger kombiniert. Je nach Rezept kommen unter anderem Rahm, Zwiebeln oder weitere Zutaten hinzu.
Auch moderne Küchen nutzen Schabziger für Saucen, Gebäck, Aufstriche oder als kräftiges Gewürz.
Für Reisende ist die Spezialität interessant, weil sie unmittelbar mit der Region verbunden ist und ausserhalb des Kantons deutlich seltener auf Speisekarten erscheint.
Glarner Kalberwurst, Pastete und Birnbrot
Die regionale Küche bietet weitere charakteristische Produkte.
Die Glarner Kalberwurst besitzt eine lange Tradition und wird beispielsweise mit einer weissen Sauce serviert.
Daneben gehört die Glarner Pastete zu den bekannten Spezialitäten.
Sie besteht aus Blätterteig und enthält traditionell unterschiedliche Füllungen, häufig mit Mandeln oder Dörrpflaumen.
Das süsse Gebäck eignet sich gut als Mitbringsel.
Auch Birnbrot ist in der Region verbreitet.
Auf Alpen und in Berggasthäusern kommen zusätzlich Käse, Trockenfleisch und weitere Produkte aus der lokalen Landwirtschaft auf den Tisch.
Wer den Kanton kulinarisch kennenlernen möchte, findet daher eine Mischung aus bodenständiger Bergküche und erstaunlich eigenständigen Spezialitäten.
Hotels: von der Kantonsstadt bis zum historischen Berghaus
Die Übernachtungsmöglichkeiten spiegeln die Landschaft des Kantons wider.
In Glarus und den umliegenden Talorten liegen klassische Hotels mit guter Anbindung an Bahn und Strasse.
Das Hotel Post Glarnerhof beispielsweise befindet sich in der Hauptstadt und eignet sich als Ausgangspunkt für Ausflüge in verschiedene Regionen.
In Elm stehen Häuser wie das Hotel Bergführer für einen stärker alpinen Aufenthalt. Das traditionsreiche Haus verbindet Unterkunft und Gastronomie im Dorf.
Auf der Bischofalp und in anderen Höhenlagen ergänzen Berggasthäuser das Angebot.
Braunwald verfügt über Familienhotels, kleinere Unterkünfte und Berghäuser.
Eine besondere Stellung nimmt das bereits erwähnte Ortstockhaus ein: Hier wird die Übernachtung gleichzeitig zum Architekturerlebnis.
Wer abgelegene Natur sucht, findet rund um Mettmen ebenfalls Möglichkeiten für einen Aufenthalt nahe der Bergwelt.
Öffnungszeiten und Saisonzeiten sind bei höher gelegenen Unterkünften besonders wichtig und sollten vor der Reise überprüft werden.
GlarnerlandPass erleichtert Ferien ohne Auto
Seit 2025 erhalten Übernachtungsgäste in teilnehmenden Beherbergungsbetrieben den GlarnerlandPass.
Er umfasst während des Aufenthalts unter anderem die kostenlose Nutzung des öffentlichen Verkehrs innerhalb des Kantons.
Das ist für einen schmalen Alpenkanton besonders praktisch.
Viele Ausgangspunkte für Wanderungen lassen sich mit Bahn, Bus oder Bergbahn erreichen. Dadurch können Touren von einem Ort zum anderen geplant werden, ohne zum abgestellten Auto zurückkehren zu müssen.
Die Bahnlinie erschliesst das Haupttal bis Linthal.
Von dort führt die Standseilbahn nach Braunwald. Weitere Bus- und Bergbahnverbindungen erschliessen Seitentäler und Höhenlagen.
Familienaktivitäten für unterschiedliche Altersstufen
Familien müssen sich im Glarnerland nicht auf klassische Wanderungen beschränken.
Zu den besonders geeigneten Angeboten gehören:
- der Zwerg-Bartli-Erlebnisweg in Braunwald
- der Riesenwald in Elm
- der Seilpark am Grotzenbüel
- der Kinderklettersteig in Braunwald
- Spiel- und Erlebnisstationen im Glarnerland
- leichtere Wanderungen im Klöntal
- Ausflüge mit Berg- und Standseilbahnen
- das Museum des Landes Glarus im Freulerpalast
- die geologischen Erlebnisse rund um Elm und Sardona
Gerade für jüngere Kinder lohnt es sich, Höhenunterschiede und Weglängen realistisch zu planen.
Eine kurze Bergbahnfahrt mit Erlebnisweg kann oft attraktiver sein als eine lange Wanderung, bei der die landschaftlichen Höhepunkte erst nach mehreren Stunden erreicht werden.
Video: Glarnerland zwischen Kulinarik, Kultur und Freizeit
Sommer: Bergseen, Wanderwege und Familienangebote
Die grösste Auswahl an Outdoor-Aktivitäten bietet der Sommer.
Braunwald und Elm erschliessen Wandergebiete mit Bergbahnen.
Im Klöntal kommen Baden und Wandern zusammen.
Mettmen eignet sich für Ausflüge in eine ruhigere Berglandschaft.
Auch die UNESCO-Region Sardona lässt sich während der schneefreien Monate besonders gut erkunden.
Bei hochalpinen Touren bleibt jedoch Vorsicht erforderlich.
Selbst im Sommer können Wetterumschwünge, Gewitter oder Restschnee eine Rolle spielen. Touren sollten deshalb nach aktuellen Bedingungen und nicht allein nach Kalender geplant werden.
Herbst: klare Luft und kräftige Küche
Im Herbst verändern sich Wälder und Alpweiden.
Die Temperaturen sind für längere Wanderungen häufig angenehm, während die Fernsicht an stabilen Tagen besonders gut sein kann.
Kulinarisch passen kräftige regionale Gerichte gut in diese Jahreszeit.
Auch Museumsbesuche und Stadtrundgänge lassen sich einfacher mit Wanderungen kombinieren, wenn die Tage kühler werden.
Winter: Braunwald und Elm im Schnee
Im Winter werden Braunwald und Elm zu den wichtigsten Wintersportorten des Kantons.
Skifahren und Snowboarden gehören ebenso zum Angebot wie Winterwandern, Schlitteln und Schneeschuhtouren.
Braunwald besitzt durch seine autofreie Lage einen besonderen Charakter.
Für Familien stehen vergleichsweise überschaubare Wintersportgebiete zur Verfügung.
Elm bietet ebenfalls Pisten und Winteraktivitäten in eindrücklicher Bergkulisse.
Der belmedia-Beitrag „Winterstart in Braunwald: Saisonauftakt mit Erlebnisprogramm ab 20. Dezember 2025“ zeigt, welche Angebote den Saisonbeginn zuletzt begleiteten.
Schneelage und Betriebszeiten verändern sich von Saison zu Saison. Für konkrete Ausflüge sind deshalb die aktuellen Angaben der Bergbahnen entscheidend.
Frühling: Wasserfälle und erste Touren im Tal
Während auf den Bergen noch Schnee liegen kann, beginnt im Tal bereits die Wandersaison.
Die Schneeschmelze führt viel Wasser in Bäche und Wasserfälle.
Dadurch sind beispielsweise die Wasserfälle im Klöntal besonders eindrucksvoll.
Höher gelegene Wege können gleichzeitig noch winterliche Bedingungen aufweisen.
Der Frühling eignet sich deshalb gut für Touren im Tal, Stadtrundgänge und kulturelle Ziele.
Drei Tage im Kanton Glarus
Ein erster Aufenthalt lässt sich gut in drei sehr unterschiedliche Tage gliedern.
Tag 1: Glarus, Architektur und Klöntal
Der Vormittag gehört der Hauptstadt.
Das rechtwinklige Stadtbild, Stadtkirche, Regierungsgebäude und weitere Bauten machen den Wiederaufbau nach 1861 sichtbar.
Anschliessend lohnt ein Abstecher nach Näfels zum Freulerpalast.
Am Nachmittag führt die Route ins Klöntal.
Eine kürzere Wanderung am See oder zum Bereich eines Wasserfalls bildet einen deutlichen Kontrast zur Architektur des Vormittags.
Tag 2: Elm und die Entstehung der Alpen
Der zweite Tag führt nach Glarus Süd.
In Elm stehen historischer Dorfkern, Martinsloch und die Tektonikarena Sardona im Mittelpunkt.
Familien können einen Teil des Tages im Riesenwald verbringen.
Wer stärker an Geologie interessiert ist, wählt einen passenden Wanderweg oder besucht Aussichtspunkte mit Blick auf die Glarner Hauptüberschiebung.
Tag 3: Braunwald und Bergmoderne
Mit der Braunwaldbahn geht es hinauf in den autofreien Ferienort.
Familien können den Zwerg-Bartli-Erlebnisweg oder den Seilpark wählen.
Architekturinteressierte verbinden eine Wanderung mit dem Ortstockhaus.
Eine Einkehr in einem Berggasthaus oder Hotel rundet den Aufenthalt ab.
So entsteht in drei Tagen ein Querschnitt durch den Kanton: Stadtgeschichte, Industrie- und Baukultur, Bergseen, UNESCO-Geologie, Familienangebote und alpine Gastronomie.
Warum sich Glarus von klassischen Alpenregionen unterscheidet
Das Glarnerland lebt stark von seinen Bergen, ist aber keine reine Ferienkulisse.
Industrie, Politik, Landwirtschaft und Tourismus sind bis heute eng miteinander verbunden.
In der Hauptstadt wird unter freiem Himmel über Gesetze abgestimmt. Wenige Strassen weiter erinnern Fabrikbauten an die frühe Industrialisierung.
In Elm lässt sich Erdgeschichte im Fels erkennen, während Familien wenige Minuten entfernt durch einen Erlebniswald gehen.
Braunwald verbindet traditionelle Ferienarchitektur mit einem international beachteten Bau der klassischen Moderne.
Auch kulinarisch besitzt der Kanton mit dem Schabziger ein Produkt, das sich kaum mit einer anderen Schweizer Region verwechseln lässt.
Gerade diese Eigenständigkeit macht Glarus interessant.
Fazit: Ein kleiner Kanton mit ungewöhnlich viel Charakter
Der Kanton Glarus verbindet Themen, die andernorts weit auseinanderliegen.
Die Hauptstadt erzählt mit ihrem geometrischen Grundriss vom Wiederaufbau nach einer Katastrophe. Näfels bewahrt mit dem Freulerpalast ein bedeutendes Stück Kantonsgeschichte. Industriearchitektur erinnert an eine Zeit, in der Glarner Textilien weltweit gehandelt wurden.
In Elm wird die Entstehung der Alpen an der Glarner Hauptüberschiebung sichtbar. Das Martinsloch verbindet Geologie mit einem spektakulären Lichtphänomen.
Braunwald zeigt wiederum eine andere Seite des Kantons: autofreie Ferien, Familienangebote und moderne Baugeschichte liegen auf derselben Sonnenterrasse.
Klöntal, Garichtisee und weitere Berggebiete ergänzen diese Kulturorte um Naturerlebnisse.
Auch die Küche besitzt einen klaren regionalen Charakter. Schabziger, Zigerhöräli, Glarner Pastete und weitere Spezialitäten geben dem Aufenthalt kulinarisch eine eigene Handschrift.
Für Familien, Architekturinteressierte, Wanderer und Genussreisende ist der Kanton deshalb besonders vielseitig. Seine grösste Stärke liegt dabei nicht in einem einzelnen Wahrzeichen, sondern in der Nähe ganz unterschiedlicher Erlebnisse.
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